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„Zusammen schaffen wir das!“

Über die Herausforderungen des Einzelhandels in Zeiten von Corona – und über die Freude in Zukunft geplante Hochzeiten noch ausgelassener zu feiern.

von Nora Höfler

In Deutschland, Österreich und der Schweiz sollen alle nicht notwendigen Geschäfte schließen, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen. Eine notwenige Maßnahme, die jedoch den Einzelhandel besonders hart trifft. Angesichts dieser angeordneten Schließungen zahlreicher Läden in Deutschland hat sich der Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE), Josef Sanktjohanser, am Mittwoch mit einem Brief direkt an Bundeskanzlerin Angela Merkel gewandt. „Die Corona-Epidemie stellt unsere Branche vor sehr große Herausforderungen, wie es sie selbst während der Finanzkrise nicht gegeben hat. Durch massive Umsatzausfälle werden tausende selbstständige Unternehmen und Millionen von Arbeitsplätzen vernichtet“, warnte der Verbandspräsident in seinem Schreiben. Aufgrund der ab Mittwoch geltenden Geschäftsschließungen erleide die Branche Einnahmeverluste in Höhe von „rund 1,15 Milliarden Euro pro Tag bzw. sieben Milliarden Euro pro Woche“, schrieb Sanktjohanser.

Für zahlreiche Handelsunternehmen könne die Krise daher „höchstwahrscheinlich die Insolvenz bedeuten, wenn nicht sofort und unbürokratisch staatliche Hilfen in Form von direkten Zahlungen und KfW-Bürgschaften ohne Eigenbeteiligungen gewährt werden“, erklärte der HDE.

Auch der BTE Handelsverband Textil meldete am Mittwoch, dass die Folgen der Epidemie „dramatisch“ für den Textil- und Modehandel seien.

Die großen Brautmoden Messen wie die London Bridal Fashion Week, die Barcelona Bridal Fashion Week sowie die European Bridal Week haben angekündigt, Ihre Termine zu verschieben.

Allen Beteiligten bleibt wohl nichts anderes übrig, als von Tag zu Tag die Lage neu zu bewerten.

Das sagten uns auch Bianca Lehrner und Susanne Hummel im Namen des Austrian Wedding Award:

„Der Coronavirus verunsichert momentan Alle: Unternehmen aus der Hochzeitsbranche wie Brautpaare – er verursacht Angst um unsere Gesundheit, Familien, unseren Beruf, unsere Existenz, die Durchführbarkeit der Hochzeiten zum geplanten Zeitpunkt. Keiner weiß, wie dieser Virus unser Leben nächste Woche oder sogar in den nächsten Wochen einschränkt oder verändert. Klar ist jedenfalls, dass die Gesundheit Vorrang hat und dass wir alles daran setzen müssen diesen Virus auszuhungern. Es gilt abzuwarten, geduldig zu bleiben und darauf zu hoffen, dass alles ganz bald wieder den für uns gewohnten Lauf nimmt. Panik und vorschnelle Entscheidungen, aber auch Fehlverhalten oder mangelnde Disziplin haben bei diesem ernsten Thema keinen Platz. Auch wenn wir es physisch nicht dürfen, sollten wir zumindest gedanklich zusammenrücken, an einem Strang ziehen und darauf hoffen die vielen geplanten Hochzeiten noch ausgelassener zu feiern, als wir das zuvor vielleicht gemacht hätten.

Ein Statement, das Mut macht!

Christina Zauchner, Inhaberin der brautgeflüster Boutique für Brautmode & Accessoires aus Österreichs sagte Bridal Times:

„Wir arbeiten im Zweier-Team ohne zusätzliche Mitarbeiter. Unterstützt werde ich von meiner ehemaligen Mitarbeiterin Katharina Triebelnig. Wir sind sozusagen zwei Unternehmerinnen in einem Haus und können uns so ganz persönlich um unsere Damen und ihre Wünsche kümmern. In der Tat ist die Situation nicht so einfach, vor allem, weil es uns doch kalt erwischt hat. Zuerst das Bangen, ob Liefertermine eingehalten werden können und nun müssen wir unsere Geschäfte geschlossen halten. Das ging uns doch alles ein wenig schnell. Die Situation in Asien scheint sich inzwischen zu beruhigen, was zu hoffen gibt, dass sich auch bei uns die Situation in  den nächsten Wochen wieder entspannen kann und wird. Vorausgesetzt ist natürlich, dass wir alle den Ernst der Lage erkennen und uns alle an die Maßnahmen halten, damit wir bald wieder durchstarten können. Bereits in der letzten Woche haben wir unsere Kundinnen über den aktuellen Stand informiert, um vorweg die Sorgen zu minimieren, dass Sie für Ihre Hochzeit nicht ohne Kleid da stehen werden. Expressbestellungen haben wir seit 2-3 Monaten nur mit vorheriger Absprache mit unseren Lieferanten und im Zweifelsfall erst gar nicht angenommen. Manchmal hat man schon ein gutes Bauchgefühl und das ganz große Drama sollte bei uns ausbleiben. Die Bräute, die für Anfang April ihre Hochzeit geplant hatten, werden ihre Hochzeit nach hinten verschieben, bis sich die Lage wieder entspannt hat. Die Stimmung ist aber überwiegend positiv und unsere Bräute üben sich in Zuversicht. Es kommt auch die eine oder andere Terminanfrage herein. Der Optimismus sollte gestärkt werden und in Zukunft wird allem vielleicht ein wenig mehr Wertschätzung beigewohnt.“

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!

Elaine Ferlita, Inhaberin der SPOSA Brautboutique in Limburg an der Lahn fühlt mit ihren Bräuten, die ihre Hochzeiten verschieben müssen:

„Dass eure Hochzeiten aktuell gefährdet sind, tut mir aufrichtig leid! Aber eins wollen wir in dieser Situation nicht vergessen: Ihr habt die Liebe eures Lebens gefunden und einen Partner, mit dem ihr diese Zeit gemeinsam meistern könnt! Und selbst wenn eure Hochzeit nun verschoben wird oder anders als geplant stattfinden muss, bleibt diese Tatsache bestehen! Was das für uns kleinen und auch großen Braumodengeschäfte bedeutet ist im Moment noch abzuwarten. Ich persönlich arbeite derzeit auf Hochtouren, um Hochzeiten zumindest im Bezug auf Brautkleider zu sichern. Ich stehe im ständigen Kontakt mit meinen Lieferanten und meiner Schneiderin. Aktuell nimmt daher alles seinen normalen Gang. Die Lieferanten bieten sogar nun auch Direktlieferung an unsere Bräute an, damit Kleider schon mal sicher und möglichst kontaktlos zu Hause sind. Ich persönlich stimme dies gerade mit meinen Bräuten ab. Wenn wir dann Schneidertermine haben, sorgen wir natürlich für alle vorgegebenen hygienischen Maßnahmen und bitten unsere Bräute, möglichst alleine zu diesem Termin zu kommen, um den Personenkreis im Atelier so klein wie möglich zu halten. Neue Anproben finden in den nächsten Tagen und wahrscheinlich Wochen erstmal keine statt. Bräute, die erst 2021 heiraten, verweisen wir auf den Herbst und dringliche Anproben machen wir nach Rücksprache.“ Sie appelliert an Kundinnen: „Die Meisten von uns brauchen Euch und hoffen, diese Zeiten unbeschadet, sowohl gesundheitlich wie auch wirtschaftlich, zu überstehen. “Nur gemeinsam sind wir stark!“

Daniel Struck, der Inhaber des Hochzeitshaus Struck aus Monheim sagte Bridal Times:

„In diesen außergewöhnlichen Zeiten wollen wir alles dafür tun, um größeren Schaden zu verhindern. Dieses Ausmaß konnte keiner erahnen, doch jetzt sollte jeder alles dafür geben um eine schnelle Verbreitung zu verhindern. Natürlich haben wir Mitleid mit unseren Bräuten, die mit Liebe zum Detail Ihre Traumhochzeit planen. Jedoch geht es mittlerweile um mehr als den schönsten Tag im Leben. Eine liebe Angestellte von uns ist sogar persönlich mit ihrer Hochzeit diese Woche betroffen. Aber selbstverständlich muss für jeden die Gesundheit an erster Stelle stehen. Seit der Pressekonferenz unserer Bundeskanzlerin glühen unsere Telefonleitungen mit besorgten Bräuten und Bräutigamen. Wir haben intern direkt beschlossen unser Geschäft auf unbekannte Zeit zu schließen. Seitdem haben wir bis Mitte April alle Beratungstermine abgesagt. Die Kunden haben Verständnis für diese Situation und haben größtenteils direkt neue Termine vereinbart. Trotzdem ist der finanzielle Schaden für uns natürlich groß. Wir sind mitten in der Hochsaison für Bräutigam und Abendmode, zudem haben wir noch viele last minute Bräute sowie Accessoires-Termine, die wir nicht bedienen können. Für unseren täglichen Ablauf bedeutet dies jetzt, dass wir natürlich weiterhin vor Ort sind und uns unsere Bräute per Mail, Telefon oder Instagram persönlich erreichen können, um alle Fragen zu klären. Um die Situation einigermaßen aufzufangen werden wir kurzfristig einen Onlineshop starten, um unsere Kunden mit eventuell noch fehlenden Accessoires zu versorgen sowie eine Onlineberatung für Trauringe anbieten. Da unsere Labels weiterhin auf Hochtouren produzieren, können wir derzeit alle Liefertermine für unsere Kunden einhalten und somit schon eine große Sorge unserer Bräute nehmen.Wenn alle Menschen die Lage erkennen und nicht unterschätzen, denke ich, dass ab Mitte April wieder Normalität einkehrt und wir unsere versäumten Umsätze wieder einigermaßen auffangen werden. Wir hoffen, dass alle gesund durch die nächsten Wochen kommen und wir im April wieder unsere Türen für alle zukünftigen Bräute und Bräutigame öffnen können.“

Halten wir zusammen, sind wir alle unschlagbar! Das ist unser Motto!“, sagt uns Stefanie Kox, die Inhaberin von maleika – brautboutique in Krefeld.

„Auch wir bedauern es sehr, dass wir unsere Boutique vorübergehend aufgrund der Ausbreitung des Corona-Virus geschlossen haben – jedoch sehen wir es als Notwendigkeit und unsere Pflicht, denn nur wenn wir als Ganzes agieren, können wir Menschen vor weiteren Erkrankungen und auch unsere Wirtschaft vor Schlimmerem bewahren. Für uns als Boutique bedeutet die aktuelle Situation, dass wir auf Umsätze verzichten und natürlich trifft uns das. Aber Gesundheit und gesunder Menschenverstand gehen einfach vor. Unseren Bräuten und ihren Begleitern, unserem Team und auch allen anderen zuliebe. Wir haben schweren Herzens auch alle unsere neuen Anprobetermine auf April 2020 verschoben und stoßen auf viel Verständnis bei unseren Bräuten. Aber auch unsere derzeitigen Bräute müssen sich keine Sorgen machen – bisher haben wir keine Lieferschwierigkeiten und geben trotz Schließung täglich unser Bestes und stehen all unseren Kundinnen Rede und Antwort – telefonisch und auch per E-Mail.“

Und auch Stefanie von Harbou, die Inhaberin von Happy Brautmoden aus München zeigt Optimismus:

„Wir müssen Durchhalten!” Dass die Zeiten schwierig sind und werden ist inzwischen Allen klar! Wir versuchen, positiv und optimistisch in die Zukunft zu schauen. Schon eine Woche vor der erzwungenen Ladenschließung haben wir angefangen unseren Bräuten die Kleider mitzugeben, daher standen wir jetzt nicht völlig unvorbereitet da. Wir haben alle Termine für die nächsten zwei Wochen abgesagt und verschoben. Unsere Kunden hatten dafür viel Verständnis. Wichtig ist, dass wir einen kühlen Kopf bewahren und überlegt handeln!“

Der Grundtenor ist klar und eindeutig: Gemeinsam kann die Krise überstanden und gemeistert werden! In China haben Einzelhändler alternativen und schnelle Lösungen gefunden. Siehaben sich die Chat- und Videofunktionen von sozialen Netzwerken zunutze gemacht, um Ihre Kunden zu erreichen und mit Ihnen über ihre Produkte und Dienstleistungen zu sprechen. Das Ladenpersonal wurde so kurzerhand zum Online-Berater. Das schöne daran: so ist und bleibt der Kundenkontakt ganz nah und persönlich – und das ohne Ansteckungsgefahr.

„Do it now!“

Christina Zauchner von brautgeflüster rät die „gewonnene Zeit“ zu nutzen.

„Um Aufträge mit sämtlichen Listen abzugleichen. Ist alles bestellt? Wann ist alles hier? Was müssen wir noch anfertigen, verändern. Die Webseite kann endlich aktualisiert werden. Der Schauraum wird ein wenig verschönert. Es wird einem als Unternehmer ja NIE langweilig.“An die Kundinnen appelliert sie: „Wichtig im Moment ist nur, dass wir unsere Lieferanten weiterhin bezahlen können. Daher hoffe ich, dass es von Seiten der Kunden keine allzu großen Verzögerungen gibt. Denn wenn wir unser Werk am Laufen halten können, wird der Schaden auch in einem Rahmen bleiben. Wir nutzen die Zeit, um alles Mögliche vorab abzuarbeiten, damit wir genügend Kapazitäten frei haben, wenn es wieder das offizielle „GO!“ gibt. In der Zwischenzeit wird also vorbereitet, aufbereitet und die To-Do Liste abgearbeitet.“

In der Krise sieht sie Potenzial für die Branche:

„Dadurch, dass die aktuelle Situation nicht nur unser Land betrifft, sondern auch alle Staaten rundherum, beziehungsweise nahezu weltweit, wird sich das hoffentlich positiv auf den Zusammenhalt in unserer Branche auswirken. Jede Katastrophe hat in der Vergangenheit eine Möglichkeit für eine Neuausrichtung gebracht. Also auch in der „Krise“ bleibe ich Optimist und das wird auch so bleiben.“

Liebe Brautmoden-Einzelhändeler,
lassen Sie sich nicht unter kriegen – bleiben Sie ebenfalls Optimist! In jeder Krise liegt die Chance, Dinge zu reflektieren, diese in der Zukunft besser zu machen und anstatt gegeneinander mehr denn je miteinander zu arbeiten –und zu leben! Wir teilen diesen Planeten, wir sind alle Nachbarn, davon ist Niemand ausgenommen. Lassen Sie uns gemeinsam die jetzigen Herausforderungen und die der Zukunft angehen!

Bleiben Sie gesund und hoffnungsvoll!

 

 

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