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Wie Leidenschaft zu Profit wird: Interview mit Bridal Consultant Katja Dürr

Die Brautmodenberaterin Katja Dürr erklärt, warum datenbasierte Entscheidungen, klare Prozesse und ein strategischer Einkauf entscheidend sind, um erfolgreiche und profitable Brautmodengeschäfte aufzubauen.

Katja, erzähl uns etwas über Deinen Weg in die Brautbranche und warum Du Dein Beratungsunternehmen gegründet hast.

Ich bin tatsächlich über Umwege in die Brautbranche gekommen. 2014 habe ich nebenberuflich einen Onlineshop für Brautmode gegründet. Diese Zeit hat mir einen guten Einblick in die Branche gegeben und meine Begeisterung für Brautmode geweckt.

2018 habe ich dann mein eigenes Brautmodengeschäft eröffnet. Was als kleines Studio mit rund 40 Quadratmetern begann, entwickelte sich über die Jahre stark weiter. Wir haben auf etwa 500 Quadratmeter erweitert, ein Team von 18 Mitarbeiterinnen aufgebaut und einen Jahresumsatz von rund 1,2 Millionen Euro erreicht. Diese Zeit hat mir gezeigt, wie viel Potenzial in der Branche steckt, wenn Konzept, Team, Kundenerlebnis und ein zahlenbasierter Blick auf das Business zusammenkommen.

Ich habe die Branche immer geliebt. Gleichzeitig kam irgendwann der Wunsch nach mehr Freiheit und neuen Gestaltungsmöglichkeiten. Deshalb habe ich mein Geschäft an meine damalige Storeleitung verkauft, die es heute erfolgreich weiterführt.

Während meiner Zeit als Unternehmerin habe ich ein großes Netzwerk aufgebaut. Viele Kolleginnen aus der Branche haben mich regelmäßig um Rat gefragt. Dabei wurde mir klar, dass es zwar Beratungsangebote gibt, aber nur wenige, die die unternehmerische Praxis eines selbst aufgebauten Brautmodengeschäfts mit einem klar zahlenbasierten Ansatz verbinden. Genau daraus ist schließlich mein Beratungsunternehmen entstanden.

Heute unterstütze ich Brautmodengeschäfte dabei, sich klar zu positionieren, wirtschaftlich stabil zu arbeiten und nachhaltige Strukturen aufzubauen.

Auf welche Themen hast Du Dich in Deinem Coaching spezialisiert?

Mein Coaching konzentriert sich vor allem auf zwei Bereiche: zahlenbasiertes Arbeiten und klare Prozesse im Geschäft.

Viele Entscheidungen in Brautmodengeschäften werden sehr emotional getroffen. Leidenschaft gehört zur Branche dazu, aber nachhaltiger Erfolg entsteht vor allem dann, wenn Unternehmerinnen ihre Kennzahlen wirklich verstehen und auf dieser Basis Entscheidungen treffen – vom Einkauf über die Preisgestaltung bis hin zur Personalplanung.

Dabei geht es nicht nur um Umsatz. Entscheidend ist die Profitabilität. Ein Brautmodengeschäft sollte kein aufwendiges Hobby sein, sondern ein gesund geführtes Unternehmen, das auch ein angemessenes Einkommen ermöglicht.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil meiner Arbeit ist die persönliche Betreuung vor Ort. Ich besuche jedes Geschäft, um Abläufe, Team, Verkaufsfläche und Rahmenbedingungen wirklich zu verstehen. Nur so kann Beratung individuell und praxisnah sein. Inzwischen begleiten mein Team und ich über 20 Brautmodengeschäfte im 1:1-Coaching.

Die Branche lebt stark von Emotionen. Kommt der betriebswirtschaftliche Blick manchmal zu kurz?

Ja, das erlebe ich tatsächlich häufig. Die Brautmodenbranche lebt von Emotionen, besonderen Momenten und der Leidenschaft für das Produkt. Genau das macht sie so einzigartig. Gleichzeitig führt diese Emotionalität oft dazu, dass betriebswirtschaftliche Themen in den Hintergrund rücken.

Viele Unternehmerinnen führen ihr Geschäft mit viel Herzblut, fühlen sich aber bei Kennzahlen, Auswertungen oder betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen unsicher. Schon das Lesen einer BWA ist für viele eine Herausforderung.

Dabei liegt hier enormes Potenzial. Wer seine Zahlen versteht, kann sein Geschäft viel gezielter steuern – beim Einkauf, bei der Preisgestaltung oder bei der Personalplanung. Mein Ziel ist es deshalb, Zahlen verständlich und praxisnah zu machen. Sie sollen kein Hindernis sein, sondern ein Werkzeug, das Sicherheit gibt.


Katja Dürr und Helen Löhner von Katja Dürr Consulting


Was rätst Du Geschäften, die sich mit ihren Zahlen unsicher fühlen?

Mein wichtigster Rat ist, sich den Zahlen nicht zu entziehen, sondern sie bewusst in den unternehmerischen Alltag zu integrieren.

Die Brautmodenbranche ist ein kostenintensives Business. Wareneinsatz, Personal, Ladenflächen und Marketing machen es umso wichtiger, genau zu wissen, wie sich das Unternehmen wirtschaftlich entwickelt.

Dabei geht es zunächst nicht um komplizierte betriebswirtschaftliche Modelle, sondern um ein klares Gefühl für die wichtigsten Kennzahlen: Umsatzentwicklung, Durchschnitts-Bon, Margen oder Lagerbestände. Wer diese Zahlen regelmäßig betrachtet, gewinnt schnell Sicherheit und kann fundiertere Entscheidungen treffen.

Viele Unternehmerinnen merken, dass die anfängliche Unsicherheit schnell verschwindet, sobald sie beginnen, aktiv mit ihren Zahlen zu arbeiten.

Wo verlieren Brautmodengeschäfte Deiner Erfahrung nach am häufigsten Geld?

Vor allem in zwei Bereichen: beim Wareneinsatz und in der Personalstruktur.

Der Wareneinsatz ist einer der größten Kostenblöcke. Häufig entstehen Probleme durch zu niedrige Margen, eine nicht optimale Preisstruktur oder zu große Ersteinkäufe. Wenn Kollektionen zu breit eingekauft werden und sich einzelne Modelle nicht drehen, bleibt viel Kapital im Lager gebunden.

Der zweite Bereich sind ineffiziente Prozesse im Team. In vielen Geschäften haben sich Abläufe über Jahre entwickelt, ohne klar strukturiert zu sein. Das führt oft dazu, dass mehr Personal eingesetzt wird als eigentlich notwendig.

Mein Ansatz ist immer: work smart, not hard. Wenn Einkauf, Kalkulation und Prozesse gut abgestimmt sind, entsteht deutlich mehr wirtschaftliche Stabilität – ohne dass das Kundenerlebnis darunter leidet.

Die Messesaison läuft gerade. Wie können Händler strategisch einkaufen?

Messen sind eine der wichtigsten Phasen des Jahres, gleichzeitig werden Entscheidungen dort oft sehr emotional getroffen.

Deshalb ist eine gute Vorbereitung entscheidend. Ein klar definiertes Einkaufsbudget ist dabei der erste Schritt. Ebenso wichtig ist eine strategische Verteilung dieses Budgets auf Hersteller, die sich im Geschäft bewährt haben und regelmäßig nachbestellt werden.

Genauso entscheidend ist ein klares Bild der eigenen Zielkundin. Wer genau weiß, welche Braut das eigene Geschäft anspricht, kann gezielter einkaufen.

Ein weiterer wichtiger Rat: sich Zeit für Entscheidungen nehmen. Auf Messen entsteht schnell das Gefühl, sofort bestellen zu müssen. Oft lohnt es sich, noch einmal darüber zu schlafen und sich zu fragen: Passt dieses Kleid wirklich zu meinem Geschäft und meinen Bräuten?

Strategischer Einkauf bedeutet letztlich, Emotion und betriebswirtschaftliches Denken miteinander zu verbinden.

Worauf sollten Brautmodengeschäfte heute besonders achten, um langfristig profitabel zu bleiben?

Drei Punkte sind besonders wichtig.

Der erste ist der Generationenwechsel. Mit der Gen Z kommt eine neue Kundengeneration mit anderen Erwartungen an Kommunikation, Marken und Einkaufserlebnis. Geschäfte sollten verstehen, wie diese Kundinnen denken und kaufen.

Der zweite Punkt ist die wirtschaftliche Entwicklung. Kosten steigen in vielen Bereichen. Deshalb wird es immer wichtiger, Preisstrukturen regelmäßig zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.

Der dritte Punkt ist die persönliche Weiterentwicklung der Unternehmerinnen und Unternehmer. Die Branche verändert sich – und damit auch die Anforderungen an Unternehmensführung, Marketing und Strategie.

Wenn Du nur einen einzigen Rat geben könntest – welcher wäre das?

Man muss als Unternehmerin oder Unternehmer nicht alles selbst wissen. Aber man sollte wissen, wo man sich Unterstützung holen kann.

Viele Brautmodengeschäfte werden mit großer Leidenschaft geführt. Gleichzeitig gehören Themen wie Kennzahlen, Kalkulation oder strategische Planung nicht automatisch zu den Stärken jeder Unternehmerin. Das ist völlig normal.

Entscheidend ist die Bereitschaft, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen und sich bei Bedarf Unterstützung zu holen.

Denn langfristig erfolgreich sind die Geschäfte, die beides verbinden: die emotionale Seite der Brautmodenbranche und eine klare wirtschaftliche Strategie. Nur so entsteht ein Unternehmen, das nicht nur Freude macht – sondern auch nachhaltig profitabel ist.

Wir bedanken uns bei Katja für dieses Interview.

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie Katja Dürr Ihr Brautmodengeschäft unterstützen kann, kontaktieren Sie bitte: Katja Dürr Consulting

 

 

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