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Uwe Herrmann weiß um das besondere Kleid

Von Nora Höfler

Uwe Herrmann kreiert unterirdische italienische Stadt – mitten in Dresden

Mit dem Brautmoden-Profi, „Tüll und Tränen“ – Star und Buchautor Uwe Herrmann haben wir über sein neues Geschäft am Dresdner Hauptbahnhof, wie Brautmoden und Technologie in Zukunft vereint sind sowie über die unterschiedlichen Regionen Deutschlands gesprochen.

Herr Herrmann, Sie haben im Dezember 2019 einen Mega Store für Brautmoden am Wiener Platz in Dresden eröffnet. Wie lief die Eröffnung, sind Sie zufrieden?

Wir haben das weiße Gewölbe eröffnet, „Mega Store“ klingt immer so groß. Das Geschäft ist fast genauso groß wie das alte, aber wir haben den Schandfleck in Dresden, wo Drogen und Prostitution stattfanden, einfach mit Brautmode begrünt und wieder zum Leben erweckt. Wir haben seitdem sehr gute Resonanz. Man fährt mit der Rolltreppe runter, ich habe sozusagen eine unterirdische italienische Stadt geschaffen mit verschiedenen kleinen Geschäften, 16 bis 18 Stück. Es war im Prinzip eine leere Betonhülle, ohne Heizung, ohne Licht, nichts darin. Wir haben alles komplett neu gebaut. Das war der Vorteil.  Ich hatte drei oder vier Standorte zur Wahl, ich habe mich für diesen entschieden, weil ich selber bauen konnte. Angenommen wurde es sensationell. Ich bin allerdings kein Fan von Eröffnungspartys, denn da kommen immer die falschen Leute. Ich lege keinen Wert auf Eitelkeiten, das entspricht nicht meinem Glauben als Christ. Ich unterstütze in meinem Beruf natürlich Eitelkeiten, aber nur bis zu einem gewissen Maß. Meine Aufgabe ist es, Menschen glücklich zu machen. Meine Mitarbeiter sollen die Menschen glücklich machen.

Für welche Kundschaft ist das neue Geschäft vorrangig ? Haben Sie eine bestimmte Zielgruppe vor Augen?

Nein, hatte ich auch noch nie. Über 60 % der Ware in meinem Geschäft produziere ich selbst. Das heißt, ich kaufe wunderschöne Ware dazu, wovon die Kunden vielleicht nur ein Kleid im Jahr kaufen. Das eine besondere Kleid, das kaufe ich zu. Ich arbeite selbst als Designer. Ich selber nenne mich immer Volksdesigner. Meine Kleider sind nicht für Hungerhaken, sondern für normale Menschen denen man im Leben begegnet. Ich finde, das sind Menschen mit viel schöneren Charakteren und viel schöneren Geschichten als die, die sich verkaufen, als ein Produkt darstellen oder vorgeben Jemand zu sein, der sie eigentlich nicht sind. Und so ist auch meine Mode.

In Ihrem Buch „Kleider machen Bräute“ beschreiben Sie viele lustige Anekdoten über die Arbeit in Ihrem Brautmoden Geschäft. Hilft Ihnen der Humor manchmal durch einen stressigen Arbeitsalltag?

Ja, sicherlich. Jeder Mensch, der sich mit Menschen beschäftigt, könnte ein Buch schreiben. Ich schreibe schon am nächsten Buch. Jeden Tag siehst du neue Geschichten. Ich ziehe nicht über die Leute her, wenn ich über Menschen schreibe, ich möchte den Leuten einfach die Möglichkeit geben, über sich selbst nachzudenken. Vielen ist zum Beispiel gar nicht bewusst, warum sie heiraten. Vielleicht aus Pflichtbewusstsein oder weil sie im 7. Monat schwanger sind oder weil man als verheiratetes Paar eher einen Kredit bei der Bank bekommt. Oder den Unterschied zwischen Männern und Frauen: Männer lieben mit dem Verstand, Frauen mit dem Herzen. Deshalb sind ja auch gleichgeschlechtliche Paare oft in einer besseren Situation. Das alles bringe ich humorvoll zu Papier.

Bald ist wieder Messe-Zeit. Welche Shows besuchen Sie am liebsten und wie machen Sie sich auf den Messen auf die Suche nach der perfekten Hochzeits-Robe?

Im Großhandel ist der Wettbewerb sehr stark geworden durch Osteuropäer, durch Vietnamesen und Chinesen. Die fetten Jahre der Großhändler sind vorbei. Weil sich die Welt durch eine gewisse Transparenz und den Online-Handel ändert. Man denkt heute, man hat es mit drei verschiedenen Herstellern aus England, Spanien und Frankreich zu tun, tatsächlich kommt die Spitze jedoch aus ein und derselben Fabrik. Und die Kleider, die auf den Shows gezeigt werden, sind ja bereits vor drei Monaten produziert, also schon wieder uralt wenn sie dann im Laden landen. Die Vielfältigkeit wird immer weniger, weil die Menschen immer weniger Kultur haben, sich zu kleiden in der Gänze. Wir werden immer uniformierter, einheitlicher. Mein Vorteil ist, dass ich selbst produziere, ich kann viel schneller auf Veränderungen auf dem Markt reagieren.

Die Auswahl an Brautmoden auf dem Markt ist riesig. Wie entscheiden Sie, was in Ihren Laden kommt ? Verfolgen Sie hierbei eine bestimmte Strategie oder wählen Sie jedes Kleid nach Gefühl aus?

Ich nehme meine Mitarbeiter mit, diese sollen mit den Augen der Kunden schauen. Die besonderen Kleider suche ich aus. Doch die besonderen Kleider, sind meistens die, die nicht gekauft werden. Ich habe dazu bestimmte Faustregeln, verschiedene „Typen“ von Kundinnen, jede hat ihre persönliche Herangehensweise, eine ideale Vorstellung, was sie am Hochzeitstag darstellen will, wie man sich fühlen möchte an seiner Hochzeit. Und mit diesem Wissen man muss auch den Einkauf machen und die Kleider auswählen.

Wie schaffen Sie es, Saison für Saison ihre Kundinnen zu begeistern ? Woher kommt ihr Riecher dafür, was sich verkaufen wird?

Man denkt zwar, dass man das besondere Kleid hat und dann ist es das Kleid, was keiner anguckt, denn jeder ist auch berufsblind, jeder sieht die Welt aus seiner Perspektive. Wir verkaufen ein paar Tausend Kleider im Jahr,  wir können also gar nicht die Perspektive aller Menschen im Auge haben. Somit wählt das besondere Kleid immer der Kunde, nie ich selbst.

Haben Sie einen längerfristigen Plan, was die Zukunft nicht nur Ihres Geschäftes, sondern auch Ihrer Marke Uwe Herrmann angeht?

Deutschland verschläft vieles. Die jungen Menschen in Asien beispielsweise, die sind schon viel weiter. Die Zukunft wird sein, dass das Kleid, welches die Kundin trägt, kein Mensch mehr in der Hand hat. Das heißt, es wird Programme geben, wo mit Hilfe von 3D-Anzügen und 3D-Brillen ein Muster-Kleid entworfen wird, dann ziehen die Mädels zu Hause in ihrer Wohnung diese Anzüge an und dann bauen sich mit einfachen spielerischen Mitteln genau das Kleid am Computer zusammen, dass sie haben wollen. Die Tupperdosen-Party wird also wieder aufleben – mit Kleidern. Die Mädchen treffen sich zu Hause mit Chips und Sekt und gehen gar nicht mehr ins Geschäft, sondern bauen, designen sich ihr eigenes Brautkleid zusammen und jeder darf mitreden. Dann Programm kommt zum Beispiel aus Malaysia, in China wird der Schnitt gedruckt und in Indien dann zusammengesetzt und der Kundin nach Hause geliefert. Die zukünftigen Kleider werden geschweißt und geklebt und das wird besser sein, besser halten als ein genähtes Kleid. So wird die breite Masse ihr Kleid erwerben. Es wird günstig sein und jede Kundin kann sagen, ich habe mein Kleid selbst designt. Natürlich wird es immer noch Kunden geben, die sich ihr Kleid nähen lassen werden, das wird dann die Luxus-Variante sein oder die, für Nostalgikerinnen.

Ihr Sohn arbeitet ebenfalls in Ihrem Unternehmen. Wie bereiten Sie ihn auf die geschäftliche Übernahme vor ? Wie gehen Sie als Unternehmer mit dem Wandel der Zeit um?  

Ja, mein Sohn arbeitet bereits im Unternehmen. Wie oben beschrieben, wird auch unsere Zukunft so ähnlich aussehen. Die Beratung im Laden wird anders aussehen. Das wird sich verändern. Die Frauen ziehen ein Musterkleid an, designen dann mit Ihrer App das Kleid, vielleicht noch ein bisschen fine-tuning in unserem Geschäft und dann wird es ihnen nach Hause geschickt.

So verschieden die unterschiedlichen Regionen Deutschlands sind, so unterschiedlich sind die Bräute dort und ihre Geschmäcker, also auch die Trends. Haben Sie eine Lieblingsregion und wenn ja, warum gerade diese?

Ich habe keine Lieblingsregion. Ich spüre ein Nord-Süd-Gefälle, ein Ost-West-Gefälle jedoch kaum noch. Ich finde, dass die Oberbayern und die Norddeutschen den Sachsen sehr ähnlich sind. Man redet nicht lange um den Brei. Jede Region hat ihr Besonderes und das ist genau das, was mir Spaß macht: in verschiedene Regionen zu fahren, um für den Moment das Besondere zu genießen. Überall das Gleiche, eine Uniformiertheit wäre doch langweilig. Deshalb sollte man auch nur über eine andere Braut lachen, wenn man den Hintergrund ihrer Kleiderwahl kennt. Vielleicht ist ein bestimmtes Kleid nicht besonders schön, es haben jedoch bereits vier Generationen in der Familie getragen, also ein besonderer Wert für die Braut. Man sollte das immer im Hinterkopf behalten bevor man urteilt. Und man sollte nicht für die anderen heiraten, sondern immer für sich selbst.

Welche Pläne haben Sie für das Jahr 2020?

Ich möchte gerne im TV Bereich weiterarbeiten, ein neues Segment erschließen, vielleicht eine Eigenproduktion. Außerdem wird ein neues Buch 2020 / 2021 kommen, Kleider machen nicht nur Bräute, mit dem Zeitgeist der jetzigen Nachhaltigkeit.

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch sagen: Das wichtigste ist, dass wir nie vergessen sollten, alle Familien auf dieser Welt haben die gleichen Wünsche und die haben nichts zu tun mit den Politikern und der Politik auf dieser Welt.

Die Redaktion dankt Herr Herrmann sehr für dieses Interview.

Bildquelle: Germanprofoto Dresden, Stefanie Schumacher

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