In Designer-News/ Händler-NewsNews

Interview mit Ulrich Wendel – Geschäftsführer der INTERBRIDE

Wie viele andere Branchenveranstaltungen wurde auch die Interbride 2020 in Düsseldorf aufgrund der Corona-Pandemie auf 2021 verschoben. Bridal Times hatte die Ehre, Geschäftsführer Ulrich Wendel im Rahmen eines Interviews ein paar Fragen zu dieser schwierigen Zeit und der schweren Entscheidung zu stellen.

Herr Wendel, wie schwierig war die Entscheidung, die Interbride auf 2021 zu verschieben?

Ganz ehrlich? Es war furchtbar. Das kann ich für mich und stellvertretend für alle Verantwortlichen der INTERBRIDE aus tiefstem Herzen sagen. Jeder hätte lieber sämtliche ihm zur Verfügung stehenden Hebel in Bewegung gesetzt, um die 8. INTERBRIDE 2020 stattfinden zu lassen. Doch die Entscheidung für eine Verschiebung war unausweichlich. Die dynamische Entwicklung rund um Sars-Cov-19 hält trotz aktueller Lockerungen Deutschland, Europa und die Welt weiter in Atem. In Deutschland gilt bis zum 31. August 2020 die Kontaktbeschränkung für Großveranstaltungen. Beim Gesundheitsschutz unserer Aussteller und Messegäste wären wir nie einen Kompromiss eingegangen, Gesundheit ist unantastbar und hat für uns oberste Priorität. Ja, die Verschiebung des Termins ist bedauerlich, aber zugleich die einzig richtige Entscheidung. Ein neuer Termin wird zeitnah bekanntgegeben. Für die Zwischenzeit wünschen wir den Geschäften und allen Ausstellern das allerbeste. Kommen Sie wohlbehalten durch die Krise. Wir freuen uns auf das Wiedersehen in 2021 mit hoffentlich wenigen Blessuren für unsere Branche.

Was waren letztlich die entscheidenden Faktoren, die zur Verschiebung der Interbride führten?

Der Grund für die Verschiebung ist die von Bund und Ländern ausdrücklich verhängte Kontaktbeschränkung für Großveranstaltungen bis zum 31. August 2020. Auf der INTERBRIDE treffen mehrere Tausend Personen aufeinander, 2019 kamen wir auf eine Anzahl von fast 50 verschiedenen Ländern. Ja, es ist ein herber Verlust, aber für eine Verschiebung gibt es keine Alternative.

Wissen Sie, die INTERBRIDE war von Beginn an die Messe “Von der Branche für die Branche”. In dieser Verantwortung sehen wir uns während der Krise noch stärker gefragt. Trotz aufkommender Lockerungen ist die Coronavirus-Pandemie nicht besiegt, sondern nur eingedämmt. Das Reiseverbot gilt weiterhin, was unsere Aussteller neben den jeweiligen nationalen Quarantänemaßnahmen bei ihren Planungen gestoppt hat. Der Fachhandel war über Wochen komplett lahmgelegt und kehrt erst mit großen Auflagen und Anstrengungen in den Geschäftsalltag zurück. Die Branche ist schwer gebeutelt. Eine INTERBRIDE, wie wir sie alle kennen und schätzen, hätte es in diesem Jahr nicht geben können – mit ihrer Unbeschwertheit, der Wiedersehensfreude, dem Trubel und ihrer  Geschäftstätigkeit. In diesem Jahr hätten wir mit der erstmaligen Teilnahme des Unternehmens Rosa Clara eine tolle Premiere innerhalb unseres hochkarätigen Aussteller-Mixes erlebt.

Haben Sie die Möglichkeit in Betracht gezogen, die Interbride später in diesem Jahr in 2020 zu verschieben?

Für uns wie für alle anderen Messen auch gilt die durch Bund und Länder verhängte Sperre von Großveranstaltungen. Aktueller Stand ist, dass sie bis Ende August andauert. Es war also unsere Pflicht über die Option einer Austragung im September nachzudenken und das ebenso mit der Messe Düsseldorf zu diskutieren. Am Ende fiel die Entscheidung mehr im Sinn unserer Besucher und Aussteller, weniger aus eigenen wirtschaftlichen Erwägungen: Sollten im September tatsächlich wieder Großveranstaltungen zulässig sein, ist dieses Datum – aus unserer Sicht – für eine Ordermesse zu spät. Das hat folgende Gründe: Unter Normalbedingungen werden ab September die neuen Kollektionen bereits ausgeliefert. Im September beginnt die Hochkonjunktur in den Geschäften. Es ist Saisonstart. Die Order ist zeitlich durch. Bleiben wir also gedanklich bei einem Messetermin im September, müssten Order, Saisonstart und Auslieferung auf ein und den selben Zeitpunkt fallen.

Alle Aussteller werden an uns entrichteten Zahlungen zurückerstattet bekommen und sind nun selbst gefordert, eigene Lösungen zu finden, wie Bestellungen generiert und Ordergeschäfte angekurbelt werden können. Das wird große Anstrengungen mit sich bringen, weil vieles virtuell stattfinden muss. Zusätzlich zur Coronakrise will niemand den Saisonstart ins Rutschen zu bringen. Deshalb wird die Beibehaltung eines möglichst normalen Auslieferungs-Rhythmus oberstes Ziel sein. Also eine Austragung zu einem späteren Termin im Jahr ist aus unserer Sicht für die Branche nicht förderlich.

Was bedeutet die Verschiebung für Aussteller und Besucher, und was sind die nächsten Schritte für die Interbride?

Die Konsequenzen für Handel und Hersteller sind vielschichtig: keine Messe, keine Ordergeschäfte, kein Branchentreffpunkt, kein Networking. Eine funktionierende Order ist ein komplexes Thema, das lange vor einer Messe beginnt. Lagerbestände müssen minimiert werden, verkaufspolitische Maßnahmen getroffen werden, damit im Moment der Lieferung neuer Ware, die Voraussetzungen im Laden stimmen. Die Geschäftstreibende brauchen ja Liquidität für ihre Neubestellungen. Corona stört gerade jede einzelne dieser Prozessstufen auf das Empfindlichste.

Die die Gesamtwirtschaft mit einer nie dagewesenen Situation konfrontiert ist, sitzen Aussteller und Fachgeschäfte in einem Boot, weil beiden Seiten durch den Wegfall der Messe Mehraufwand entsteht. Beide Seiten müssen neue Wege für eine Kontaktaufnahme finden. Konnten die Fachgeschäfte sonst ihren Messebesuch durch Termine an den verschiedensten Ständen durchtakten, müssen sie hierfür jetzt eine andere Strategie überlegen. Für viele wird der Switch hin zu digitalen Lösungen sein, um auf individuellem Weg mit den Kunden zusammenzuarbeiten.

Wie wird die Pandemie Ihrer Meinung nach die Geschäftsbeziehungen zwischen Hersteller und Handel in der Zukunft verändern?

Die Corona-Pandemie gilt als schlimmste Krise seit dem zweiten Weltkrieg. Deshalb müssen wir es schaffen, erst recht zusammenzustehen und hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken. Der Bedarf an Orientierung und Austausch ist in Krisenzeiten wichtiger denn je.

Für eine Bewertung der Gesamtsituation ist es sicherlich noch zu früh. Es ist möglich, dass Geschäfte schließen müssen, das der Handel sich auf eine kleinere Zahl an Herstellern fokussiert, die sich in der Vergangenheit als zuverlässige Geschäftspartner erwiesen haben. Service und Erfahrung werden vermutlich stärker den Abschluss von Verkäufen beeinflussen.

Ich wünsche mir für die Branche insgesamt, dass sie sich stärker zusammenschweißt, das wir alle in einem Boot sitzen, ist nicht nur eine bildliche Metapher, sondern eine Tatsache. Wir müssen weiterdenken, anders denken. Hatten wir es bislang mit der Wirtschaft 2.0 zu tun, geht es jetzt um Wirtschaften in und mit Corona.

Können Sie uns etwas über Zukunftspotentiale und Hoffnungen für die Brautmodebranche erzählen?

Grundsätzlich sehen wir 2021 positiv entgegen. Unsere Branche hat den Vorteil, dass Hochzeitstermine zwar überwiegend verschoben werden mussten, aber das heißt auch, sie gehen nicht verloren. Sie finden „nur“ wann anders statt. Es hat uns selbst erleichtert, dass seitens der Fachgeschäfte, mit denen wir direkten Kontakt hatten, überwiegend optimistische Rückmeldungen kamen. 2021 wird das Jahr der Post-Shuttdown-Hochzeiten.

Unsere Branche pulsiert vor Emotion, Kreativität und Inspiration, denn wir begleiten Brautpaare auf ihrem Weg zum schönsten Tag im Leben. Der Fachhandel wird es schaffen, all diesen „unglücklich gestrandeten“ Paaren, deren Hochzeit sich verschiebt, Ruhe und Zuversicht zu geben, denn das persönliche Unglück ist groß genug bei den Betroffenen. Hier bedarf es Besonnenheit und Einfühlungsvermögen, Braut und Bräutigam durch diese Zeit professionell und mit Optimismus zu begleiten.

Da die Frühjahrssaison bereits vollgepackt ist mit Ausstellungen und Messen der Brautmodenindustrie, wie schnell werden wir erfahren, wann die Interbride 2021 stattfinden wird?

Mit der Messe Düsseldorf sind wir bereits dran, einen für die Branche passenden Termin zu finden. Das Datum muss für unser internationales Business das geeignete sein. Das heißt, der Zeitpunkt muss so liegen, dass er für die Order zuträglich ist. Bislang kann niemand mit Sicherheit vorhersagen, wie sich der Markt, wie sich die Saison 2021 insgesamt nach Corona entwickelt.

Als Ordermesse müssen wir die passenden Voraussetzungen für Hersteller und Handel schaffen. Damit wir unserem internationalen Ausstellerklientel den von uns erwarteten Rahmen für die Präsentation ihrer neuesten Kollektionen bieten können, muss der Messetermin gleichfalls der bestmögliche Ordertermin sein. Sprich ein Messedatum ist erst dann das richtige, wenn es im Einklang mit den Produktionszyklen und Ansprüchen der Marktakteure für Hochzeits-, Braut- und Eventmode steht. Diesen Termin versprechen wir zu finden.

Und zu guter Letzt, wie schaut für Sie die perfekte Interbride 2021 aus?

Vorfreude auf ein Wiedersehen mit allen Beteiligten, gesund, munter und hoffnungsvoll, dass die Krise geschafft ist. Das Format „Messe“ hat weiterhin Zukunft und wir werden auch 2021 den Rahmen für ein außergewöhnliches Einkaufserlebnis schaffen. Wir sind fest überzeugt, dass der direkte Kontakt von Mensch zu Mensch mit nichts zu ersetzen ist. Unser Anspruch für 2021 ist, dass der internationale Fachhandel bei uns mit namhaften Unternehmen und Labels zusammentrifft und seine Order tätigen kann. Dafür legen wir uns schon jetzt ins Zeug. Allen Marktakteuren drücken wir die Daumen, dass der Neustart rund um den Globus gelingt.

Im Namen von Bridal Times bedanken wir uns bei Ulrich Wendel von der INTERBRIDE für dieses Interview

Für weiter Information über die Messe besuchen Sie INTERBRIDE

Interbride 2019 from Interbride Fashion Fair on Vimeo.

 

 

zurück