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Interview mit Alexander Popp, Inhaber von Hochzeitshaus Mariage

Mit nahezu drei Jahrzehnten Erfahrung hat Alexander Popp vom Hochzeitshaus Mariage zahlreiche Veränderungen in der Brautmodenbranche miterlebt und weiß, wie wichtig es ist, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.

In diesem exklusiven Interview spricht Alexander Popp über die Entwicklung des Familienunternehmens, die digitale Transformation und darüber, warum außergewöhnliche Brautberatungen bis heute das Herzstück des traditionsreichen Hauses bilden.

Erzähl uns von Deinem Weg: Wie kam es dazu, dass Du Dein erstes Brautmodengeschäft eröffnet hast, und wie lange bist Du bereits in der Branche tätig?

Ich bin unter Reifröcken groß geworden und habe unser Wachstum vom Wohnzimmer im Jahr 1999 bis zum heutigen 1.000-qm-Haus miterlebt. Meine Mutter, Christiana Popp, hat dafür das Fundament gelegt. Ich selbst komme aus der Finanzbranche mit Schwerpunkt Marketing und habe meine analytische Perspektive Schritt für Schritt in unser emotionales Familienbusiness eingebracht: 2013 übernahm ich das Marketing, 2017 die operative Vertriebsgeschäftsführung und 2022 schließlich die Inhaberschaft. Dabei bekam ich viel freie Hand, um an meinen Aufgaben, und eben auch an Fehlern, zu wachsen. Sagen wir so: Ich habe ordentlich Lehrgeld bezahlt. Aber genau diese Erfahrungen waren essenziell, um unser Traditionsunternehmen in die nächste Generation zu führen.

Hochzeitshaus Mariage in Neustadt an der Aisch

Was ist Deiner Meinung nach der Schlüssel dazu, über so viele Jahre hinweg erfolgreich zu bleiben?

Unser Leitspruch lautet: „Wer aufhört, besser zu sein, hat aufgehört, gut zu sein.“ (Oliver Cromwell). Getreu diesem Motto stellen wir jede Saison alles auf den Prüfstand. Als meine Mutter 1999 gründete, gab es in unserer Region vor allem Filialisten, die Bräute im Akkord abfertigten. Wir haben das revolutioniert und konsequent auf 1:1-Beratung gesetzt. Dieses exklusive Boutique-Feeling mit separaten Braut-Suiten haben wir uns bis heute bewahrt, um unser markengeschütztes „Brautkribbeln“ erlebbar zu machen. Der Schlüssel heute ist es, diese Emotionen im Frontend mit einem extrem rationalen Backend zu stützen: Wir bilden mittlerweile jeden Prozess durch eigene Softwareentwicklung digital ab, um alles in Echtzeit kontrollieren zu können. Von der Forecast-Planung der Abteilungen über KI-gestützte Einkaufs-Apps bis hin zum ERP-System, das den gesamten Workflow unserer hauseigenen Schneiderei überwacht.

Wie hat sich die Brautmodenbranche Deiner Meinung nach im Laufe der Jahre verändert, und wie wichtig ist es, sich diesen Veränderungen anzupassen?

Die Branche ist digitaler und visuell anspruchsvoller geworden. Social Media, insbesondere TikTok und Instagram mit authentischem „Real Bride“-Content, ist unser wichtigstes Schaufenster. Dabei hat sich auch die Kundin stark verändert: Eine Empfehlung ist heute oft nur noch der erste Auslöser. Danach möchte sich die Braut über viele weitere Touchpoints abgeholt fühlen und förmlich eine Beziehung zu uns aufbauen. Sie will Teil des Teams sein. Teils wissen unsere Bräute sogar genauer, was, wann und wie in einer bestimmten Story oder einem Reel gezeigt wurde, als es unsere Beraterinnen auf der Fläche überhaupt wissen können. Diese Erwartungshaltung sorgt auch dafür, dass wir mittlerweile festangestellte Mitarbeiterinnen ausschließlich für Social Media haben.

Gleichzeitig spüren wir einen immer größer werdenden Wettbewerb, der nicht zuletzt durch TV-Formate wie „Zwischen Tüll und Tränen“, aber eben auch durch die Lieferanten selbst befeuert wurde. Wenn ich an unsere Anfänge auf den Einkaufsmessen denke: Ein Lieferant nach dem anderen hat dankend abgewinkt, weil es einen strengen Gebietsschutz gab. Es war fast nicht möglich, bei einem so dicht besiedelten Markt einen Laden mit Top-Marken zu füllen. Dann kam die Teilung der Messen in Modatex und Interbride. Die Interbride war eine Messe, die ausschließlich von den hochwertigen Lieferanten ins Leben gerufen wurde. Rückblickend haben sich genau diese Lieferanten damit jedoch keinen Gefallen getan. Denn um die nun getrennten Messehallen überhaupt füllen zu können, haben die Veranstalter den Markt regelrecht mit neuen, unerfahrenen Lieferanten überschwemmt. Zack, auf einmal war ein riesiger Nährboden für unzählige neue Brautmodengeschäfte geschaffen und der strikte Gebietsschutz wurde aufgeweicht. Heute ist der Markt völlig übersättigt. Bei immer weiter sinkenden Hochzeitszahlen verkleinert sich der Zielmarkt zunehmend. Das zwingt uns dazu, uns stetig weiter zu professionalisieren.

Was macht das Hochzeitshaus Mariage Deiner Meinung nach so besonders, und warum ist es der ideale Ort für Bräute, um ihr Traumkleid zu finden?

Wir verkaufen keine Kleider, wir kreieren das „Brautkribbeln“. Das beginnt bei unserer minimalistischen Ästhetik und unserem High-End-Store-Konzept. Was uns zudem unverzichtbar macht, ist unser hauseigenes Schneideratelier mit sechs festangestellten und fünf freien Mitarbeiterinnen. Es ist für uns unabdingbar, ein so emotional wertvolles Kleidungsstück nicht ohne einen erstklassigen, hauseigenen Service anzubieten.

Hast Du aktuell bestimmte Trends bemerkt, die Bräute besonders lieben?

Wir sehen eine sehr starke Nachfrage nach der „Clean Girl“-Ästhetik und dem „Old Money“-Stil. Der Trend geht spürbar weg von überladenen Designs, hin zu eleganten, reduzierten und minimalistischen Looks, die extrem hochwertig verarbeitet sind und eine zeitlose Klasse ausstrahlen. Kolleginnen und Kollegen, die schon in den goldenen 90ern und 2000ern dabei waren, werden mir sicher schmunzelnd beipflichten: Irgendwo im Keller haben wir diesen Stil eigentlich alle noch hängen. Natürlich wird er heute modern weiterentwickelt und völlig neu interpretiert auf die Fläche gebracht, aber die klassische Grundessenz feiert ein absolutes Comeback.

Was trägt Deiner Meinung nach dazu bei, dass Bräute das bestmögliche Erlebnis bei der Suche nach ihrem Hochzeitskleid haben?

Das Erlebnis steht und fällt mit der Qualität der Beratung. Bräute spüren sofort, ob man ihnen etwas verkaufen will oder ob man sie auf ihrer Reise begleitet. Wir schulen unser Team intensiv in Kommunikationstechniken und nutzen Methoden wie das DISG-Profil. So können wir individuell auf den Typ der Braut eingehen, den Druck nehmen und einen sicheren Raum schaffen, in dem das Brautkribbeln überhaupt erst entstehen kann.

Was hast Du seit der Eröffnung Deines Brautmodengeschäfts gelernt, womit Du vorher vielleicht nicht gerechnet hättest?

Aus dem Konzernumfeld kommend dachte ich, ein 24-köpfiges Team aufzubauen und zu führen, sei wie ein Schnellboot zu steuern, bei dem Veränderungen rasch umgesetzt werden können. Ich musste jedoch lernen, meine eigenen Ambitionen manchmal zu zügeln, um das Team nicht zu überfordern und alle auf dem Weg mitzunehmen. Zudem hat mir die Volatilität auf Lieferantenseite, etwa der Wechsel von Labels wie Nicole Milano und Ladybird zur Pronovias Group, gezeigt, wie agil man im operativen Geschäft bleiben muss.

Wenn Du zurückblickst: Worauf bist Du besonders stolz, und welche besonderen Menschen haben Dich auf diesem Weg begleitet, unterstützt und motiviert?

Besonders stolz bin ich auf unsere gelebte Weiterentwicklung. Trotz sechs Jahren stürmischer See, geprägt von Corona, der Unternehmensübernahme nach einem Todesfall, der Wirtschaftslage und sinkenden Hochzeitszahlen, packen wir jeden Tag mit ungebrochener Motivation an. Unser Antrieb bleibt es, Menschen glücklich zu machen und lebenslange Erinnerungen zu schaffen: unvergessliches Brautkribbeln.

Das gelingt nur mit den richtigen Menschen an der Seite. Ich bin unfassbar stolz auf unser gesamtes Team, das mir den Rücken freihält und unsere Strategie aktiv vorantreibt. Ein großer Dank gilt fordernden Wegbegleitern wie Verkaufscoach Vanessa Huber und Peter Michel (Just Brides) sowie verlässlichen Partnern wie Essense of Australia und der Justin Alexander Group. Ein ganz besonderes, ehrendes Andenken gilt hierbei Jacob van der Stoep (Justin Alexander), der uns von Tag eins an bei allen Wachstumsschritten wahnsinnig unterstützt hat.

Wir bedanken uns bei Alexander Popp für dieses Interview.

Für weitere Informationen besuchen Sie Hochzeitshaus Mariage

 

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