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Exklusiv-Interview mit Justin Warshaw, CEO der Marke Justin Alexander

Justin Warshaw, CEO und Creative Director von Justin Alexander, arbeitet im Epizentrum des Coronavirus-Ausbruchs in New York City. Das hat aber weder seinen Drang gestoppt, die Marke Justin Alexander in Krisenzeiten kontinuierlich zu erneuern, noch hat es seinen optimistischen Ausblick auf die Zukunft der Brautindustrie getrübt.

Bridal Times hatte das Vergnügen, mit Justin über die neue Marke ADORE zu sprechen. Er gab uns einen Einblick in das kreative Team von Justin Alexander und wir hörten seine ermutigenden Worte an die Einzelhändler in dieser schwierigen Zeit.

Mit fünf erfolgreichen Marken unter dem Justin Alexander-Portfolio ist es schwer vorstellbar, was sich eine Braut noch wünschen könnte, aber auf die Frage nach der Entscheidung, warum die neue Marke ADORE hinzugefügt worden ist, sagt Justin: „Wir hatten das Gefühl, dass es Platz für eine etwas informellere Kollektion gibt. Eine, die einer Braut etwas Entspannteres, aber nicht „Boho“ darstellt.  Sie könnte ein örtlich inspiriertes Kleid tragen oder vielleicht ist sie eine City-Hall-Braut (Standesamt-Braut). Wir dachten, dass uns in unserem Sortiment etwas fehlte. Die Marke passt daher perfekt in das Portfolio von Justin Alexander. Es erschien uns am sinnvollsten, den Namen des Designers für diese Kollektion zu verwenden”.

Die ADORE Kollektion wurde vom “Design Dream Team”, Terri Hilfery, Tony Mentel, Olivia Howes und Justin selbst entworfen. Justin fügte hinzu: „Wir arbeiten alle gemeinsam an den Kollektionen. Die meisten unserer Marken entstehen in Gemeinschaftsprojekten; daher arbeiten wir alle sehr eng auch an der Entwicklung dieser Kollektion zusammen.

BT: Wie unterscheidet sich ADORE also von der Justin Alexander Kollektion?

Justin erklärt: „Die Kollektion ist etwas informeller und Sie werden kürzere Schleppen und weniger Volumen sehen. Man kann die Lillian West Kollektion auch als informell bezeichnen, aber sie ist eher Bohemian, während ADORE raffinierter ist, mit schönen Details, aber nicht zu übertrieben. Sie hebt sich von jeder Kollektion in unserem Portfolio ab”.

GLAMORÖSE PERLENAAPPLIKATION, RAFFINIERTES STYLING, SCHLANKE SILHOUETTEN

Die Vorfreude, die neue Marke ADORE und die Justin Alexander Kollektion in diesem Frühjahr auf dem Laufsteg zu sehen, war groß. Aber aufgrund der aktuellen Situation ist es noch sehr unklar, wann die nächsten Shows stattfinden werden. Justin konnte jedoch einige Details zu den aufregenden Trends, an denen sie gearbeitet haben, bereits jetzt verraten.

„Was die neuesten Stile in den Kollektionen betrifft, so ist die Justin Alexander Signature Kollektion vom Jazz-Alter inspiriert, mit glamourösem Perlenwerk und auffälligem Styling. Sie ist “Gatsby-angehaucht”, aber auf eine moderne Art und Weise. Wir haben schöne Silhouetten – wie wir sie immer haben – architektonisches Styling mit großen Schleifen und außergewöhnlichen Details”.

“Die Justin Alexander Kollektion ist immer anspruchsvoll, glänzend und raffiniert gestaltet. Saubere Details mit einem Hauch von Perlen. Ein großer Trend sind derzeit Blumen- und Blattmotive, ebenso wie übergroße Motive, die wirklich romantisch sein können, wenn sie an der Schleppe oder am Saum platziert werden.

ADORE ist eine jugendlichere und flirtfreudigere Kollektion mit sauberen und geschmeidigen Silhouetten, aber nicht zu opulent. Die Kollektion umfasst weiche, feminine Details und fließende Röcke.”

„Bei Lillian West haben wir Schnür-Details eingebaut, was etwas mehr erotisch und individueller wirkt. Egal ob es nun ein sexy Schnürkorsett-Rücken oder ein Schnür-Detail am Arm oder am Ausschnitt ist.“

„In unserer Sincerity Kollektion bieten wir der Braut den klassischen Prinzessinnen-Look.  Wir versuchen, neue Wege zu finden, um der Kollektion mehr Glanz zu verleihen, aber zu einem annehmbaren Preis. Wir sind also superaufgeregt über das, was wir für SINCERITY entwickelt haben.”

EPISCH, INTIM, EXOTISCH

„Es sind nicht nur die Kleider und die Modenschauproduktionen, die uns den Atem rauben, sondern auch der enorme Aufwand, den das Kreativteam von Justin Alexander in jeder Saison in die Marketingkampagnen steckt.“

Für Justin Alexander hat die Kampagne immer eine epische, intime Komponente. „Wir wollen etwas, das dramatisch und wunderschön ist, mit einer atemberaubenden Landschaft. Wir haben uns in der Vergangenheit Orte wie Santorin in Griechenland, oder die französische Riviera ausgesucht; wir waren letztes Jahr in Sizilien, denn wir möchten auch die lokalen Gegebenheiten einbeziehen. Dieses Jahr haben wir die Justin-Alexander-Kampagne in Marcé, Frankreich, auf einer wunderschönen Yacht gedreht, und es war absolut atemberaubend, hinreißend und dramatisch. Wir können es kaum erwarten, diese Videos zu präsentieren”!

„Für Lillian West haben wir ein Paar porträtiert, das dem Wahnsinn des Lebens entflieht und sich gemeinsam in einer romantischen Umgebung isoliert. Wir wählten dazu eine kleine Fischergemeinde in Südfrankreich, der Camargue aus und drehten mit wilden Pferden in tiefem Wasser. Es war wirklich außergewöhnlich. Wir sind froh, diese Inhalte mit den Händlern und Bräuten teilen zu können”, sagt Justin.

FÖRDERUNG VERSCHIEDENER PROJEKTE

Abgesehen vom Glamour der Braut hat die Marke auch eine Rolle dabei gespielt, für das Richtige einzutreten. Zur letztjährigen “BE YOU“-Kampagne mit dem körperbetonten Model Iskra Lawrence, das sich für die Integration von Größe einsetzt, sagt Justin: „Wir glauben fest an Vielfalt und Integration. Zuletzt haben wir am Internationalen Frauentag teilgenommen, und zwar für alle Frauen. Wir haben auch geholfen, Geld für den VOW zu sammeln, ein Programm gegen Kinderheirat, das derzeit ein großes Problem in unserer Welt darstellt. Jede Frau sollte sich seinen Partner wählen können und nicht zur Heirat gezwungen werden. Das war die jüngste unserer Kampagnen. Wir sind immer daran interessiert, frauenbejahende Anliegen zu unterstützen, sowie die Vielfalt und die Integration zu fördern.“

VORREITERROLLE

Als dritte Generation, die das Unternehmen leitet, schreibt Justin es seiner Familie zu, dass sie – angefangen bei seinen Großeltern, seinem Onkel und später seinem Vater – eine solide Grundlage geschaffen hat, die das Unternehmen erfolgreich auf dem europäischen Markt und international etabliert hat.

Auf die Frage, wie er sich in seiner Rolle im Vergleich zu den vorherigen Generationen fühlt, sagt Justin: „Für mich war es die kontinuierliche Arbeit, ein wichtiger Akteur auf dem US-Markt zu werden. Was uns erfolgreich gelungen ist. Damit haben wir unseren Markenwert auf eine andere Ebene gebracht, die Alles im Allem umfasst:  Design, Kreativität und Marketing“.

Justin verrät uns auch, dass er während des Börsencrashs 2008 viel gelernt hat, als er in das Geschäft eingestiegen ist. „Wenn man eine Sache gut machen will, muss man alles gut machen.  Und darüber habe ich in und mit unserem Team im Laufe der Jahre, und auch heute noch, diskutiert. Was können wir tun, um während einer Krise von zu Hause aus Verbesserungen zu erreichen und die Dinge auf eine neue Art und Weise aufzustellen? Und welche Fortschritte können wir machen bzw. dafür sorgen, dass wir besser aus dieser Situation herauskommen als wir sie angegangen sind?“

„Ein großer Bereich meines Schwerpunkts war in den letzten 10 Jahren das Marketing, und ich denke, dort sehen Sie die größten Unterschiede: in unserem Marketing und in unserer kreativen Arbeit. Unser Team ist absolut unglaublich mit so vielen großartigen Mitarbeitern! Das ist einer der Gründe, warum wir über die Jahre erfolgreich waren”, sagt Justin.

VIRTUELLE ARBEITSWEISE

Derzeit ist New York die am stärksten von der Coronavirus-Krise betroffene Stadt in den USA, und es war klar, dass sich die interne Kommunikation innerhalb des Unternehmens drastisch verändern muss. Die Mitarbeiter und das Management werden mit täglichen Videokonferenzen auf dem Laufenden gehalten, und für die Einzelhändler fügt Justin hinzu: „Wir haben nach und nach eine Videokonferenz-Software eingeführt, die wir für den Verkauf und die Kundenbetreuung nutzen dürfen. Es ist sehr wichtig, dass die Kunden uns sehen und hören können. Das erste, was wir getan haben, war eine Frage- und Antwortrunde mit US-Einzelhändlern, und wir planen dasselbe für die Einzelhändler in der EU.“

„Wir wollen auch damit beginnen, unsere Präsentationen virtuell vorzustellen. Einzelhändler werden zu Veranstaltungen eingeladen, die virtuell stattfinden, um die Herbst/Winter 2020 und Frühjahr/Sommer 2021 Kollektionen zu sehen. Wir werden ihnen flexible Möglichkeiten bieten, die Kollektionen anzusehen und Reservierungen für ihre Bestellungen vorzunehmen. Wir sind uns sehr bewusst, dass wir alle uns in einer schwierigen Zeit befinden, in der es noch nicht sicher, wann die Geschäfte wieder geöffnet werden können – aber es geht uns in diesem Punkt allen gleich”.

Mit Emotion und Energie fügte Justin hinzu: „Wir sind uns bewusst, was passieren wird, wenn die Geschäfte wieder öffnen. Sobald die Quarantäne vorbei ist, werden die Bräute maximal bereit sein zu heiraten. Alle verschobenen und abgesagten Hochzeiten werden zu den ohnehin schon für August geplanten Hochzeiten hinzukommen. Wir stellen also sicher, dass unsere Lagerbestände entsprechend voll sind, damit wir unsere Brautausstatter und Bräute auch dann noch bedienen können, wenn die Bräute mit einem engen Zeitplan eintreffen”.

In Bezug auf die Krise sagt Justin: „Wenn man die Geschichte verfolgt, gab es immer Perioden mit großen Krisen, sei es Krieg oder eine Art von Rezession. Das hat die Menschen immer sehr viel näher zusammenrücken lassen. Wir glauben, dass es dieses Mal nicht anders sein wird. Die Menschen werden sich näher kommen, und dann werden alle feiern wollen. Menschen haben immer schon gerne nach der Not gefeiert. Dies ist eine sehr, sehr harte Zeit für uns alle. Wenn wir die überstanden haben, wird es ein sehr positives Gefühl und eine Erleichterung sein, dass sie hinter uns liegt. Die Bräute mögen vielleicht etwas vorsichtiger geworden sein, was ihre Ausgaben betrifft, aber sie werden heiraten und Kinder haben wollen. Deshalb sind wir sehr optimistisch, dass es eine sehr positive Sache sein wird, wenn wir das hinter uns haben.“

NACHRICHT AN EINZELHÄNDLER

Justin appelliert an uns: „Es ist wichtig, dass wir zusammenarbeiten, um diese Pandemie zu stoppen, und leider bedeutet das für unsere Brautmodenhändler eine vorübergehende Schließung – aber das ist nicht für immer. Wir werden das gemeinsam durchstehen.”

„Nutzen Sie die freie Zeit, die Ihnen zur Verfügung steht: werden Sie kreativ, engagieren Sie sich mit den Bräuten in sozialen Medien und ziehen Sie virtuelle Beratungen in Betracht. Bleiben Sie aktiv, vereinbaren Sie jetzt schon potenzielle Termine, für die Zeit, wenn Sie wieder geöffnet haben werden.”

„Sie sollen wissen, dass wir für Sie da sind! Wir sind flexibel und stehen Ihnen in jeder Hinsicht zur Verfügung. Wenn Sie Ihr Geschäft wieder öffnen, werden wir für Ihre Bestellungen bereit sein und unsere Lagerbestände darauf ausgerichtet haben. Wir wissen, wie schwer die Situation im Moment ist – weil auch wir sie spüren, aber wir werden gemeinsam diesen Sturm überstehen und stärker noch als je zuvor daraus hervorgehen!“

Für weitere Informationen über die Kollektionen, besuchen Sie Justin Alexander

 

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