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Die Modewelt trauert um ihren letzten großen Meister

Breaking News. Karl Lagerfeld ist tot. Die Modewelt trauert um ihren letzten großen Meister. Den Mann, der am allerliebsten in seinem Atelier saß, in der Rue Chambon 31 in Paris. Zusammen mit seiner Katze Choupette, der er eine eigene Zofe engagierte, damit es er süßen Mieze an ja nichts fehlt. Karl Lagerfeld hatte so manchen Spleen, eckte mit seinen Meinungen zu Kollegen aus der Branche oft an. Interviews mit ihm waren für Journalisten anstrengend und für Zuschauer keine leichte Kost. Der Chanel-Designer war spitzzüngig, schlagfertig, sehr intelligent, sarkastisch und oftmals launisch. Ein oberflächliches Pläuschchen zu halten – für Lagerfeld eine Verschwendung seiner kostbaren Zeit. Er wollte etwas Wichtiges sagen, eine Botschaft rüberbringen, und sich für seine Exzentrik bejubeln und feiern lassen.

Kunstfigur Karl?

Eitel war er, der weltbekannte Modemacher, der in Hamburg aufwuchs und Karriere in Paris machte. So eitel, dass er mit stolzen 65 Jahren noch 42 Kilo abnahm. Seiner Meinung nach, war sein Hals nun so faltig, dass er den Anblick dessen nur noch mit einem weißen Vatermörder-Kragen ertragen könne. Gegen die Augenringe half die Sonnenbrille.

Das Altern gefiel Lagerfeld so gar nicht, dem Ästheten, der einst in einem Interview erzählte, dass er seine Kleidung nach einmaligen Tragen entsorgte. Ob man Karls Diva-Allüren glauben mag oder nicht: Der kreative Künstler, das penible Genie, das Arbeitstier, wusste, wie er einen Mythos um seine Person kreieren und erhalten konnte. Er betonte zwar oft, er sei keine Kunstfigur, doch tat er alles dafür um als glamourös und über den schnöden Belangen der Welt schwebend wahrgenommen zu werden.

Er ließ sich im Alter nicht gehen – weder optisch noch mental. Und gleiches erwartete Karl Lagerfeld auch von seinen Mitmenschen. Er behauptete: „Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“ und war der Meinung: „Von zwei Wochen am Strandliegen wird man dumm.“ Frauen, die gern im Schlabberlook auf der Couch gammeln und sich nicht um ihr Äußeren scheren, lagen Lagerfeld nicht besonders. Daraus machte er keinen Hehl, ganz im Gegenteil. Eleganz, Stil, Persönlichkeit und Glamour waren seine Welt.

Eine Welt, die er uns Frauen mit seiner Mode für Chanel, Fendi und seiner Eigenmarke zugänglich machte. Die handgefertigten Spitzenkleider, die begehrten Handtaschen, der funkelnde Schmuck – präsentiert von den schönsten Frauen der Welt. Chanel ist das Sinnbild für Stil und Luxus. International. Unvergleichlich und unverwechselbar. Dank Karl. Dank einem Mann, der die Schönheit liebte und zelebrierte. Der aber auch zum Anti-Held der heutigen Zeit wurde.

Gegen den Zeitgeist

Seine Shows für Chanel kosteten Millionen. 2018 ließ er für seine Modenschau echte Bäume fällen, was Naturschützer aufregte. Durch seine makigen Sprüche über so manches Model und ihre Figur, geriet er bei Body Positivity in die Kritik. Nachhaltigkeit und das Akzeptieren des eigenen Verfalls, das war nichts für Karl. Bis zuletzt hielt den Stil hoch und ließ sich nicht mal bei seiner letzten Show für Chanel blicken. Er war zu krank und vielleicht auch zu eitel, um sich geschwächt dem prominenten Publikum und seinen Modejünger zu präsentieren. Sicher wollte sich der Direktor des Modezirkus auch nicht kränklich abgelichtet in der Zeitung sehen. So war Karl? Oder so wollte er scheinen?  Das kann man verstehen oder nicht, das kann man mögen oder lassen.

So oder so wird Karl Lagerfeld als einer der bedeutendsten Modedesigner Allerzeiten im kollektiven Gedächtnis bleiben. Seit 1965 war er für Fendi tätig, seit 1983 für Chanel. Er kleidete Prinzessinnen, Prominente, die High Society ein – auch die jungen It-Bloggerinnen liebten seine Kreationen. Selbst das Heiraten in Chanel war für gut betuchte Damen möglich. Lagerfeld kreierte pro Kollektion ein Brautkleid, welches immer der krönende Abschluss der Modenschau war.

Nicht nur die Modelwelt trauert

Der Maitre der Mode verstarb am 19. Februar 2019 mit 85 Jahren im Krankenhaus. Er litt an Bauchspeicheldrüsen-Krebs. Seine Mitarbeiter, Familie und Freunde sind in tiefer Trauer. Auf Instagram gehen die Beileidsbekundungen in die Tausende. Moderedakteure, Models, TV-Stars und Persönlichkeiten aus der Musikbranche wie Rihanna, Madonna und Lady Gaga finden warme und wahre Worte für ihren King Karl. Schwarze Herzen wohin das Auge reicht. Sogar Katze Choupette nimmt „mit gebrochenem Herzen“ auf ihrem eigenen Instagram-Profil (das Karls PR-Dame vor einigen Jahren erstellte) Abschied von ihrem „Daddy“. Das hätte Karl amüsiert.

Und wir? Wir prosten ihm mit einem weinendem und einem lachenden Auge zu. Ihm und Coco Chanel, die nun gemeinsam über den guten Stil im Himmel wachen, wo es seit gestern vielleicht nach Chanel No. 5 duftet. Prost, Karl! À la mode, monsieur. Du wirst fehlen.

 

Bildquelle: Pinterest

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