Martina Weiß kommt aus der Werbebranche und ist als Quereinsteigerin seit knapp zwei Jahren im Brautmoden-Bereich mit ihrem Label „marryandbride – knitted couture“ erfolgreich. Wir haben mit der Gründerin über ihr Konzept, Strickwaren für die Braut anzubieten, gesprochen.

Frau Weiß, warum haben Sie ein eigenes Modelabel für Bräute gegründet?
Das geschah eher per Zufall als nach Plan. Ich war vor meiner Hochzeit im Jahr 2015 auf der Suche nach einer schicken Jacke oder einem Mantel. Da ich im Oktober heiratete, brauchte ich dringend etwas Wärmendes. Aber mir gefielen weder die Chiffonbluse, noch der Bolero oder das Spitzenjäckchen. Was ich suchte – zum Bespiel ein lässiges Teil aus Strick – war nirgends zu finden. Also dachte ich mir: „Dann mach ich’s selbst“. So kam es, dass ich Monate vor meiner Hochzeit zur Stricknadel griff. Zum Glück war ich im Stricken geübt, denn es war schon als Kind ein Hobby von mir, was meine Großmutter immer gefördert hat. Leider hatte ich 20 Jahre nicht mehr gestrickt, was den Anfang etwas schwer machte. Aber schon nach wenigen Handgriffen war ich wieder voll in meinem Element und habe mir ein bodenlanges weißes Wollcape für meine Hochzeit gestrickt.
Da haben Sie ja ein echtes Unikat zu Ihrer Hochzeit tragen können – wie waren die Reaktionen der Gäste?
Meine Freundinnen waren begeistert. Die Resonanz war absolut positiv. Und alle wollten wissen, wo ich dieses besondere Stück gekauft habe. Als ich erzählte, dass ich es selbst angefertigt habe, wollten es einige meiner Freundinnen gar nicht glauben. Viele erzählten mir, dass sie auch vergeblich nach einem coolen „Drüber“ zum Kleid gesucht, aber letztlich frustriert aufgegeben haben. Ich schien eine Marktlücke entdeckt zu haben…
Wie ging es dann weiter?
Ich habe nicht lange überlegt, sondern sofort losgelegt, meine eigene Kollektion zu stricken. Es hat ein Jahr gedauert, bis ich 12 Teile fertig hatte. Im November 2016 habe ich bei der Brautmesse „Love Circus Bash“ meine Kollektion erstmalig ausgestellt und sogar den Newcomer-Award der Messe gewonnen. So wurde die Presse auf mich aufmerksam – über mich wurde in der Fachpresse und auf Hochzeitsblogs berichtet. Schon nach wenigen Wochen trudelten die ersten Aufträge ein.
Da haben Sie aber nicht mehr alleine stricken können, oder?
Nein, das war nicht machbar. Ich habe schnell ein Netzwerk aus 40 Strickerinnen aufgebaut, die für marryandbride arbeiten. Jedes Teil, das bei mir in Auftrag gegeben wird, ist handgefertigt und auf die Maße der Kundin abgestimmt. Es entstehen Unikate in Handarbeit. Die Prototypen für neue Modelle fertige ich aber alle noch selbst an.

Mit welchen Materialien arbeiten Sie?
Wir verwenden feinste Garne wie eine Seide-Mohair-Mischung und auch Alpaka sowie Bio-Wolle aus Portugal. Kaschmir ist mir persönlich etwas zu langweilig, auch reine Merinowolle wirkt etwas bieder. Darum mischen wir gerne die verschiedenen Fasern, um einen besonderen Effekt oder Glanz zu bekommen. Wir achten darauf, kaum Kunstfasern zu verwenden.

marryandbride bietet Capes, Pullis, Boleros, Cardigans und andere schicke Strickteile an. Welches empfehlen Sie für den Herbst?
Der aktuelle Trend der Brautmode geht zu den bridal separates – also Oberteil und Rock. Dazu passen natürlich kurze Strickjacken klasse. Mein Favorit ist der Braut-Pullover. Übrigens nicht nur am Hochzeitstag schick und elegant, sondern auch im Alltag.

Apropos Alltag: Sie bieten Ihre Modelle nicht mehr nur für die Braut an, sondern auch in dunklen Farben passend zur Abendmode.
Richtig. Wir haben viele Anfragen erhalten, warum wir nicht auch ein Accessoire und das passende Drüber zu einem eleganten Cocktailkleid anbieten. Daran hatten wir anfangs gar nicht gedacht, obwohl es natürlich ganz logisch ist, dass Frau nicht mit nackten Schultern durch die Silvesternacht läuft oder auch als Gast auf einer Hochzeitsparty ein schönes Teil zum Drüberziehen haben möchte. Der Total-Look muss stimmen – das gelingt mit unseren Kreationen von „marryandbride NIGHT“.

Wie hat der Brautmoden-Einzelhandel auf Ihr Label reagiert?
Sehr gut. Das freut mich enorm. Es kommen viele Händler auf mich zu. Inzwischen sind wir in 25 Stores in Deutschland und 3 in Österreich vertreten, sowie in einem Onlineshop in New York. Diesen Monat kommen noch Geschäfte in Belgien und Irland dazu. Die meisten Kunden finden uns über Pinterest und Instagram. Da ich aus der Werbebranche komme, kann ich mein Wissen nutzen, um auf marryandbride aufmerksam zu machen. Ich bin sehr glücklich mit der Entscheidung, jetzt als Modedesignerin tätig zu sein und liebe die kleine, aber feine Brautmoden-Branche sehr.
Für weitere Informationen besuchen Sie: marryandbride-knitted couture
Lea Becker, Bridal Times




