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35 ist die neue 50: Brautmodenausstatter äußern sich laut über die neue Maßnahmen

Von der Dekoration der Schaufenster von Brautmodegeschäften ganz in Schwarz, bis hin zu viralen Protestvideos machen Brautmodenaustatter ihrem Frust und ihrer Wut über die neuen Regelungen Luft, welche beim Corona-Gipfel am 10. Februar 2021 in Berlin verkündet wurden.

Über eine Sperrzeitverlängerung bis Anfang März wurde viel spekuliert, doch die Nachricht, dass Einzelhändler nur dann wieder öffnen dürfen, wenn ihr Landkreis eine 7-Tage-Inzidenz von 35 erreicht, schockierte viele. Die Frage, die sich jeder stellt, ist, wie lange wird es dauern, bis unsere Regionen auf 35 sinken, und wird dies überhaupt für einige Gebiete möglich sein, die von Corona-Infektionen hart getroffen wurden?

In einer kurz nach der Bekanntgabe der neuen Regelungen veröffentlichten Stellungnahme erklärte der Handelsverband Deutschland (HDE), Hauptgeschäftsführer Stefan Genth:

“Die Corona-Beschlüsse werden der Realität im Einzelhandel nicht gerecht. Die Politik hat ihre Hausaufgaben nicht gemacht und bleibt in dieser für uns alle dramatischen Situation den vor Wochen versprochenen Plan zum Ausstieg aus dem Lockdown schuldig“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Dieser Umgang mit den rund 200.000 vom Lockdown betroffenen Handelsunternehmen sei unangemessen und unverständlich. Die Branche habe mit ihren funktionierenden Hygienekonzepten nachweislich dafür gesorgt, dass der Einkauf auch in Pandemiezeiten sicher ist. Zudem sieht der HDE mit der neuen Festlegung der Inzidenzzahl von 35 für eine Wiedereröffnung der Geschäfte keine nachvollziehbare Basis.“

Die Reaktionen aus der Brautmoden-Industrie war laut und deutlich, als Brautausstatter über Bridal Times ihre Wut, Frustration und Traurigkeit über die neuen Regelungen teilen. Viele von ihnen haben laufende Kosten, aber nicht die versprochene finanzielle Unterstützung erhalten.

Inh. Ann-Katrin Nicklaus von HERZLIEBE Brautmode – Hochzeitsplanung – Dekoverleih aus Neumarkt in der Oberpfalz, Bayern

„Ich bin traurig und fassungslos über die Willkür von Genehmigungen. Eine Branche, die die Hygienemaßnahmen zu 100% einhalten könnte, wird komplett außer Acht gelassen. Eine Überbrückungshilfe bekomme ich nicht, weil ich erst nach April gegründet habe. Ich hatte noch nicht einmal die Chance Rücklagen zu bilden. Ich bin so unfassbar enttäuscht von der Regierung.“


Inh. Katrin Wernigk-Storz von Lieblich – Brautmode & mehr aus Lahr im Schwarzwald, Baden-Württemberg

“Nun stehe ich wie viele meiner Kollegen vor einem riesigen Scherbenhaufen, und kann es kaum in Worte fassen wie sehr ich mich im Stich gelassen fühle. Seit Oktober 2020 verspricht man uns finanzielle Hilfe, doch nichts geschieht, keine Fixkosten, keine Entschädigung, keine Hoffnung. Mein Traum ist zu einem Albtraum geworden. In der Hoffnung, dass wir bald wieder wenigstens auf Termine arbeiten dürfen (da ja trotzdem geheiratet werden darf?!) habe ich mir einen neuen Kredit holen müssen und sitze jetzt da, einsam in meinem Geschäft und frage mich, wie lange halte ich noch durch. Ich hätte nie gedacht, dass ich eines Tages mich danach sehne arbeiten zu dürfen. Wir müssen anfangen und lernen mit dieser Krankheit umzugehen und nicht vor Angst zu erstarren. Natürlich muss die Regierung handeln und uns beschützen, aber es ist nicht die Lösung, uns nicht zu beschützen“


Inh. Laura Vendt von Lieblingsbraut Konzeptboutique GbR aus Ottersberg, Niedersachsen

„In unserer Region in Niedersachsen liegt die Inzidenz schon seit Mitte Januar stabil bei unter 35. Warum sind wir weiterhin zwangsweise geschlossen? Warum kann man nicht differenziert betrachten, statt pauschal alle wirtschaftlich in die Knie zu zwingen? Für uns macht das alles keinen Sinn mehr und das Vertrauen in die Regierung, aber auch die örtliche Verwaltung ist verloren gegangen. Wir möchten einfach nur unter sicheren Hygienemaßnahmen unseren Beruf ausüben dürfen und für unsere Bräute da sein.“


Inh. Melanie Blumberg von Bezaubernd aus Mitterteich, Bayern

„Wir sind mittlerweile krank vor Sorge und wissen nicht, wie es weitergehen soll. Wir haben ordentliche Hygienekonzepte mit Einzelterminen und die Sicherheit unserer Kunden steht an Erster Stelle. Trotzdem dürfen wir nicht öffnen! Man nimmt uns unsere Hauptsaison und die Liebe und Freude unserer Kundinnen. Wir befinden uns in einem Grenzgebiet mit dem höchsten Inzidenzwert in ganz Deutschland. Wer weiß, ob wir den Inzidenzwert von unter 35 überhaupt erreichen. Wir sind einfach nur sprachlos!“


Inh. Elena Wolf von Brautstudio Karben by Elena aus Karben, Hessen

„Viele Unternehmen stehen mit dem Rücken zur Wand.  Hilfen wurden noch nicht bezahlt und der eigene Laden ist seit Wochen geschlossen. Hilflosigkeit, Unverständnis, Wut und Verzweiflung machen sich breit.  Strenge Hygienekonzepte wurden entwickelt und alle Vorgaben eingehalten und trotzdem bleibt uns verwehrt zu tun was wir lieben.  Wir müssen lernen nach Lösungen zu suchen, die es uns ermöglichen mit dem Virus zu leben. Es wird nicht mehr verschwinden und die aktuelle Situation ist NICHT die Lösung!  Sie treibt Unternehmen mit Vorsatz in den Ruin ohne eigenes Verschulden. Es wird zerstört, was wir uns hart erarbeitet haben.“


Inh. Antje Linxweiler und Inh. Nadine Darmstädter von Kurvenschön Gbr aus Hagen, Nordrhein-Westfalen

„Von Tränen voller Emotionen zu Tränen voller Verzweiflung stehen wir fassungslos und verzweifelt in unserem schönen Brautmodenatelier Kurvenschön. Wir bieten 400 qm für eine Braut, ein Hygienekonzept und ganz viel Abstand, und ganz viel Liebe für unsere tollen curvy Bräute. Und dennoch bleiben wir weiterhin geschlossen. Es ist keine Hilfe in Sicht, das macht unser Herz sehr schwer. Wir beten vielleicht im März wieder öffnen zu können. Wir vermissen unsere Bräute!“


Inh. Alexandra Martina-Paitz von Brautmoden Per Sempre aus Gerlingen, Baden-Württemberg

„Im Moment ist das wirklich eine schwierige Situation – nicht nur für uns Brautmodengeschäfte, sondern natürlich auch für die Bräute, die jetzt auf der Suche nach ihrem Kleid sind. Es tut mir so wahnsinnig leid, dass ich die Bräute immer wieder vertrösten und ihren Termin ein ums andere Mal verschieben muss. Gerade, wo doch der Kauf des Brautkleides etwas ganz Besonderes ist. Das wird durch die aktuelle Lage natürlich ein bisschen getrübt.

Dazu kommt natürlich die finanzielle Belastung für uns Brautmodengeschäfte. Die Kosten laufen alle weiter und die groß angekündigten, finanziellen Hilfen lassen leider auf sich warten. Extrem belastend und existenzvernichtend.“


Inh. Doris Nothnagel von All about Dreams aus Stuttgart, Baden-Württemberg

„Die aktuelle Situation (unterschiedlichste Vorgaben in den Bundesländern  und ein Flickenteppich an Regelungen) sorgt für maximale Unsicherheit – bei Bräuten wie auch bei Brautmodengeschäften. Die Folgen sind fatal: unterschiedliche Öffnungsmöglichkeiten und Interpretationen, Brauttourismus, mangelnde Rechtssicherheit, und letztendlich auch ein maximales Risiko: wirtschaftlich wie rechtlich. Das hält niemand auf Dauer unbeschadet durch. Wir sind am Rande unserer Existenz, und auch bei denen, die sich bislang korrekt verhalten haben, bröckelt aus Verzweiflung und Verständnislosigkeit die Motivation zur Einhaltung der Regeln. Fest steht: jeder Supermarktbesuch ist erheblich riskanter als eine Brautkleid-Anprobe (hygienisch, nachvollziehbar, mit Abstand auf genügend Fläche) im Brautmodenfachgeschäft!“


Inh. Corinna Hertel von Loft und Liebe Hochzeitsatelier aus Mistelbach, Bayern

„Sicherlich war uns bewusst, dass der Lockdown zur Eindämmung der Pandemie verlängert werden würde. Doch hatten wir gehofft, dass es Stufenpläne oder Aussichten für bundesweit einheitliche Regelungen gibt. Unverständlich bleiben die ungleichen Regelungen in den unterschiedlichen Bundesländern… Das führt zu großen Unsicherheiten und extremen Belastungen, Sorgen und Ängsten… emotional wie wirtschaftlich. Wir sind am Rand unserer Kräfte und wirtschaftlichen Ressourcen. Wir vermissen unsere Arbeit, unsere Bräute und unsere Kleider, die an Bräuten erstrahlen. Schon im November und Dezember haben wir die Anzahl der Begleitungen auf die +1-Hausstand-Regelung heruntergefahren und ab Dezember den Bräuten FFP2-Masken ausgeteilt. Das geht überall… bundesweit.“


Wir möchten uns bei allen bedanken, die ihre Meinung zur aktuellen Situation mit Bridal Times geteilt haben. Wir wünschen allen viel Kraft in dieser schwierigen Zeit und fühlen uns geehrt, den Brautmodenausstattern eine zusätzliche Plattform bieten zu können, auf der alle ihre Stimmen platziert und gehört werden können.

Video von Aniko Kawaters, Inh. von Brautgewand aus zweiter Hand aus Emmerich am Rhein, Nordrhein-Westfalen

 

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